Sonntag, 10. Februar 2013

19. Samstag





Diesen Samstag haben wir gearbeitet. Jeweils an zwei Samstagen im Monat wird gearbeitet. Mit dem Kiranbus fuhr ich danach in die Stadt um im Mishra Guesthouse meine Kleider zurück zu erlangen. Ich hatte sie das Wochenende zuvor nach dem waschen auf dem Dach aufgehängt und im abschiedsstress vergessen. Als ich im Hotel ankam wurden mir alle meine Kleider in einem Plastiksack zurückgegeben. Sie waren hoch erfreut über meinen Besuch und boten mir ein Zimmer nun zum halben Preis an. Am Abend besichtigte ich erneut die Burning Ghat und schaute dem treiben zu. Ein Mann erzählte mir viel Wissenswertes über den Vorgang des Kremierens.
Am späteren Abend traf ich erneut den Spanier vom letzten Wochenende auf der Dachterasse des Mishra Guesthouses.

Am Sonntag schlief ich aus. Zum Frühstück gönnte ich mir einen Pancacke mit Bananen und Honig, dazu einen Schwarztee. Die Sonne schien schon am Morgen mit voller Kraft und der Himmel war blau. Ich genoss die Atmosphäre und schaute den Menschen an den Ghats zu. Später traf ich auf Efi der aus Israel kommt. Wir machten den üblichen Smalltalk bis ich kurz vor Mittag auschecken musste. Später in der Nähe der Ghats traf ich wieder auf Efi. Wir suchten zusammen einen Chai stand, tranken, rauchten und plauderten. Er war symphytisch und es war spannend zu hören wie das Leben in Israel ist. Nach einer Weile machten wir uns auf eine Bootstour. Das Wasser war sehr ruhig, obwohl es auf dem Fluss beachtlich windete.

Vom Assighat bis nach Lanka setzte ich mich auf die erhöhte Bank einer Veloriksha. Oft fühle ich mich aber unwohl dabei, wenn ich von oben herab  den Männer, die meist spindel dürr sind und sich einen abrackern, zusehe. Der Sitz ist so hoch, dass man sich wie ein König fühlt. Einige mögen das vielleicht bei mir löst es jedoch oft ein unbehagliches Gefühl aus. Mann ist vor keinem Blick sicher, so prominent ist die Sitzlage. Da hat man in einem Tuktuk schon viel mehr Privatsphäre.  Einige Male dachte ich sogar daran die Fahrt abzubrechen und ihm den vereinbarten Betrag trotzdem  zu bezahlen. Vor allem dann wenn es Bergauf geht und der Fahrer sich mit seinen 50 kg voll auf die eine Pedale wuchtet kann, ich kaum noch ruhig sitzen bleiben.  Die Männer leben von dem Business, es würde ihnen nichts bringen wenn man sie meiden würde. So nehme ich ab und zu, wenn nicht gerade ein Tuktuk in der Nähe ist, eine Veloriksha.

In Lanka angekommen machte ich mich auf die Suche nach einem Tuktukfahrer, der das Kirancenter in Madhopur kennt. Die ersten zwei Fahrer waren sich nicht sicher und der Preis war zu hoch. Ich lief weiter. Beim dritten Fahrer hatte ich Erfolg. Als ich mich gesetzt hatte und es mir auf der Rückbank bequem gemacht hatte, donnerte er  los. Er schlug eine seltsame Richtung ein um zum Bypass zu gelangen. Ich dachte mir als Ausländer, er weiss sicher besser Bescheid als ich und kennt eine Abkürzung. Die Landstrasse war voller Schlaglöcher. Wenig Verkehr kam uns entgegen und die Häuser wurden immer rarer. Ich wies den Fahrer nochmal darauf hin zum Bypass, Pachaomarkt und Kirancenter zu fahren. Er nickte verständnisvoll und sagte „ ja ja Bypass“. Bis wir bei der Brücke ankamen hatte er zweimal  nachgefragt ob vielleicht jemand das Kirancenter kenne. Ich musste lachen und erklärte, dass ich den Weg von der Brücke an kenne. Wir hatten also die Brücke erreicht die über den Ganges  und Richtung Mugal Sarai führt. Jedoch hatten wir nicht den Bypass erreicht, welcher uns unter der Autobahn ähnliche Strasse durchführen würde. Ohne zu zögern fuhr der Fahrer auf die drei spurige Strasse. Als er am Strassenrand drei Leute entdeckte fragte er sie wo der Bypass sei. Es stellte sich heraus dass die Leute auch zum Pachaomarkt müssten. So fuhren wir mit voller Geschwindigkeit zu fünft auf der „ Autobahn“ Richtung Bypass.  Nach einer Weile erreichten wir eine Mautstelle. Eine Person in Uniform forderte uns mit fuchtelnden Händen auf seine Spur zu nehmen. Wir wurden langsamer und fädelten in der Spur ein. Vor uns war kein Auto zu sehen und der Durchgang war frei.  So erhöhte der Rikshafahrer das Tempo und wollte die Mautstelle passieren. Auf einmal bremste er abrupt, da vor uns eine Barriere niedergeschossen kam. Wir wurden nach vorne geschleudert und dank der Querverstrebung aufgefangen. Niemand hatte sich ernsthaft verletzt.
Mit schmerzendem Handgelenk sah ich wie die Strasse in der Ferne anstieg, ich wusste das dies die Brücke sein wird die über die Pachaomarkt Hauptstrasse führt. Wir verliessen die Autobahn und erreichten zehn Minuten später den Pachao Markt wo sich die drei anderen Passagiere verabschiedeten.   

Donnerstag, 24. Januar 2013

18.1.2013 Die Rollerfahrt meines Lebens



Heute war ein Feiertag und somit konnte ich ausschlafen. Als ich aufstand waren meine Grippesymptome beinahe verschwunden. Auch die Wunde an meiner Nase, die durch kochend heisses Wasser während dem Inhalieren zu Stande kam, ist am verheilen. Bis um drei Uhr blieb ich im Zimmer, trank Tee und Inhalierte, lernte Hindi und las im Buch Shantaram. Danach machte ich mich auf in die Stadt. Da kein Bus in die 14 Km entfernte Stadt Varanasi fuhr musste ich improvisieren. Am Eingangstor fragte ich nach einem Motorrad, um damit in  die Stadt zu fahren. Der Portier war ein wenig überrascht und gab mir schlussendlich zu verstehen, dass er keinen Schlüssel hat. Ich wollte schon losmarschieren um beim Pachao Markt, fünf Kilometer entfernt, ein Tuktuk zu kriegen. Da kam die Chefin des Kiran Center Sangeta mit ihrem Roller angebraust. Der Portier fragte sie nach einem Motorrad für mich, auch sie konnte mir nicht weiterhelfen. Da gab sie mir schlussendlich ihren eigenen Rollerschlüssel. Ich war ihr sehr dankbar.

Mir der Kiste  donnerte ich also über  Stock und Stein bis zum Pachao Markt. Da der Roller auf Reserve lief musste ich mich um Petrol kümmern. Beim ersten Shop machte ich halt und fragte nach Treibstoff. Ein Mann kam mit einem Schlauch und wollte mir Luft in den Pneu jagen. Ich gab ihm zu verstehen, dass ich Petrol und nicht Luft brauche. Da hob er seine Hände in die Luft und zeigte weiter die Strasse runter. Ich stieg wieder auf und flitzte quer über die Strasse zum nächsten Händler. Diesmal hatte ich mehr Glück und der Roller bekam einen Liter Flüssigkeit.

Und schon ging es weiter. Immer schön links halten und rechts überholen, bald hatte ich die überlebenswichtige Hupe gefunden und drückte unablässig auf dem Knopf rum. Die Tuktus zogen am Anfang noch an mir vorüber. Doch mit der Zeit und mit dem immer besseren Gefühl für den Verkehr, scherte ich aus, überholte Laster, Autos und Fahrräder. Die Fahrkunst der Inder ist beeindruckend. Die ganze Zurückhaltung die sie sonst an den Tag legen verlieren sie spätestens auf der Strasse.  Noch nie fuhr ich so Aufmerksam, jede Sekunde veränderte sich die Verkehrslage. Ich war wie auf Nadeln. Meine Augen brannten wegen dem Staub und weil keine Zeit zum blinzeln übrig blieb. Es hupte, brummte, röhrte und zischte nur so um mich herum, teilweise sah ich alles wie in Zeitlupe. Nicht selten raste ein Auto voll auf mich zu und im letzten Moment wichen wir einander aus. So ging es weiter  bis ich kurz vor der Stadt,  in dem stockenden Verkehr ein wenig aufatmen konnte.

Da ich zum ersten Mal selber in die Stadt fuhr war ich mir des Weges nicht sicher. So fuhr ich einen beachtlichen Umweg bis zum Bahnhof und danach voll in die Menschenmenge hinein in Richtung Ganges zu den Ghats. Es machte richtig Spass, es wurde gedrängelt, gestossen, gehupt als ginge es um Leben und Tod. Nur einmal krachte es als eine Veloriksha quer von der Seite mich meiner Fahrbahn berauben wollte. Schlussendlich kam ich heil und mit einem riesen Smiley bei der Kiran Bäckerei an. Ich drehte den Schlüssel,  stieg vom Roller und atmete tief durch.

Als ich Brot und Peanut Butter gekauft hatte, machte ich mich mit einer Veloriksha auf nach Gondoria. Um sieben Uhr habe ich dort mit dem  Arbeitskollegen Shamim, zum Essen abgemacht. Während der Velorikshafahrt nach Gondoria legten wir zwei Pausen ein, ich spendierte dem bis auf die Knochen abgemagerten Mann etwas zu Essen und später noch einen Chai.

In Gondoria angekommen fing es plötzlich heftig an zu stürmen. Die Plastik Abdeckungen der Stände wirbelten durch die Luft, Sand und Staub schränkten die Sicht bis auf zwei Meter ein. Das Atmen viel schwer.  Urplötzlich kam der Platzregen und kurz darauf Hagel. Die Strasse war auf einmal Menschenleer, wo doch zuvor kaum an ein durchkommen zu denken war. Nur vereinzelt sah ich triefend nasse Leute die Seelenruhig durch die Strassen schlenderten.  Ich war zum Glück zu diesem Zeitpunkt in einem Airtel Laden und konnte das Schauspiel aus dem Trockenen beobachten.










Als der Arbeitskollege um zwanzig nach sieben noch nicht am Treffpunkt war, machte ich mich auf die Suche nach einem indischen Handy. In der Nähe eines Chaistandes betrieb ein alter Mann, der im Schneidersitz auf seinem Stuhl sass ein Telefon. Ich wählte die Nummer und rief Shamim an. Nach mehreren Fehlversuchen hörte ich jemand am anderen Ende der Leitung. Der Strassenlärm hinderte mich daran irgendetwas zu verstehen. Nach einiger Zeit hatte ich das Gefühl, dass die Stimme am anderen Ende sicher nicht die von Shamim ist. Ich versuchte es wieder. Nun konnte ich knapp hören wie jemand sagte, dass er in einer halben Stunde am vereinbarten Treffpunkt sein wird. Ich genehmigte mir einen Chai und wartete.  

Das Essen war höchstwahrscheinlich köstlich, Shamim hat es geschmeckt, leider verwahrte mir meine Erkältung eine solche Aussage. Um halb zehn machte Shamim die Anstalt in eine Autoriksha einzusteigen,  in der bereits acht anderen Insassen waren. Ich fragte mich wie das klappen sollte. Da ich der einzige war der sich solche Sorgen machte, nahm ich direkt auf der linke Seite des Fahrers Platz und wartete ab. Auf der rechten Seite des Fahrers setzte sich ein anderer Mann und neben mir liess sich Shamim nieder. Vorne waren wir also zu viert. Auf der hinteren Bank sassen drei Frauen mit ihren drei Kindern und ihren Einkaufstaschen.  Nur durch dynamischen mit schwanken konnte der Fahrer überhaupt steuern.

Wieder zurück bei der Bäckerei wollte der Roller nicht mehr anspringen. Nach unzähligen versuchen kam ein junger Inder und riss den Roller an sich. Auch bei ihm funktionierte es nicht. Ich sah mich schon beim nächsten Hotel einchecken als unter beachtlichem rauch und knattern der Motor ansprang. Nach einem kurzen „dhanyavad“ stieg ich auf und rollte davon.


Jetzt begann das Abenteuer. Es war dunkel und ich kannte den 14 Km Weg nach Hause so gut "wie meine Westentasche". Ich machte mir keine Sorgen und bretterte über die überholungsbedürftige Strasse. Als Anhaltspunkt diente mir der Bypass von wo aus ich den Weg kenne. Nur liegt diese Brücke unter der  mein Weg durchführt 10 Km entfernt. Bei der nächsten Tankstelle liess ich weitere zwei Liter Petrol einfliessen, damit ich wenigstens die ganze Nacht durchfahren könnte. Als ich meines Weges langsam ziemlich unsicher wurde fragte ich an einer Kreuzung wo es denn zum Bypass gehe. Wie immer kam die Antwort so prompt, dass ich daran zweifeln musste. Die Inder haben diese Eigenschaft, dass sie auf alles eine Antwort haben auch wenn sie in Wirklichkeit keinen Schimmer haben. Daraufhin kam ein junger Mann zu der kleinen Gruppe hinzu. Er machte sich sichtlich Sorgen, um diese Zeit einen orientierungslosen Touristen auf einem Roller anzutreffen und bestätigte die Antwort seines Vorgängers. Daraufhin sagte er noch, ich solle doch nach fünf Kilometer besser noch jemand Fragen. Ausserdem soll ich vorsichtig sein und nur Leute ansprechen die einen Shop betreiben. Mit diesen Worten ihm Ohr fuhr ich zögerlich die angegebene Richtung. Der Bypass wollte einfach nicht erscheinen. Die Strassen wurden schmaler und plötzlich gab es auch keine Strassenlampen mehr. Zum Glück hatte ich Licht am Roller, leider war der Scheinwerfer eher zum Himmel gerichtet als auf die Strasse. Dieselbe Strecke wieder zurück zu fahren wäre mein letzter Ausweg aus der unbequemen Situation gewesen. Ich hätte mir dann ein Hotelzimmer in der Stadt gebucht und wäre am Morgen pünktlich zur Arbeit wieder zurück gewesen. Mit Fahrtwind im Gesicht und Staub in den Augen konnte ich dank meinen Scheinwerfer, der zur Flugzeugabwehr hätte gebraucht werden können, auf einmal die Brücke/Bypass sehen. Ich war überglücklich. Als ich dann noch die Einfahrt beim Pachao Markt Richtung Kirancenter sah jubelte ich vor Freude in die Nacht hinein.

Sonntag, 20. Januar 2013

11.-14. Das erste Wochenende in Varanasi

Am Freitag um vier Uhr rattere der volle Bus vom Kirancenter  Richtung  Varanasi. Mitten unter den Leuten sass ich an einem Fensterplatz und beobachtete gespannt wie sich der Bus durch die schmalen Landstrassen schlängelte. Neben mir sass mein Chef, Pradeep Kumar und aus Platzmangel nahm eine andere Person auf seinem Schoss Platz. Ich beobachtete die Landschaft, die Lehmhütten, die Kühe, die Kinder. Nach zehn Minuten passierten wir den Pachao Markt der an einer Hauptstrasse liegt. Die Strasse wurde merklich besser und der Busfahrer drückte vermehrt auf das Gas und die Hupe. Je näher wir dem Herz von Varanasi kamen desto mehr  Autos, Tuktus, Motorräder, Fahrräder, Fussgänger, Kühe, Ziegen, und  Hühner drängelten sich auf den pulsierenden Strassen. Jede Minute pumpte die Strasse mehr und mehr Verkehr ins Herz von Varanasi. Unser Busfahrer liess sich nicht abschrecken und fuhr mit dem Koloss geradlinig, wie ein Messer durch die Butter, in die Stadt hinein.

Als die Tür sich öffnete, fühlte es sich an wie eine Faust ins Gesicht. Ein Schwall von betäubendem Lärm liess mein Trommelfell erzittern, Abgase gemischt mit Staub und Gewürzduft drängte sich in meine Nase. Meine Augen zuckten hin und her, ich wusste nicht mehr wohin schauen. 

Ich setzte meinen Fuss auf die Strasse des kriechenden, hustenden Molchs  Varanasi  und der Bus machte sich unter kräftigem aufheulen des Dieselmotors davon. Die Kiran-Bäckerei befand sich direkt auf der  gegenüberliegenden Seite. Der Verkehr auf meiner Seite kam  von rechts. Ich wartete bis sich zwischen mehreren Motorräder und Rikschas einen Spalt öffnete um bis zum nichtexistierenden Mittelstreifen vorzudringen. Jetzt kam der Verkehr von links, ein Spalt öffnete sich und ich spanne meine Muskel um den ersten Schritt zu tun, da hörte ich von rechts ein schrilles Hupen. Ich blieb stehen, beugte mich nach hinten und das Motorrad fuhr Haarscharf an mir vorbei. Hastig schaute ich wieder nach links von wo der Hauptstrom auf mich zu kam. Schnell hechtete ich mich in Sicherheit und fluchte über das Chaos und die Geisterfahrer.

Ein Angestellter der Bäckerei fuhr mich, nach einer Stunde warten, mit dem Motorrad zum Assighat. Dort zeigte er mir ein gutes Hotel indem man als Kiran-Arbeiter Rabatt erhält. Trotz Rabatt fand ich am Nächsten Tag noch ein billigeres Hotel. Ich checkte also ein lud mein Gepäck ab und lief zum Assighat runter.
 Von allen Seiten hörte ich rufende Menschen, die mir etwas verkaufen wollten oder um Bakschisch  fragten. Kinder packten meine Hand, schauten mich mit ihren grossen, braunen, glasigen Augen an und wollten mir Blumen verkaufen. Mit einem krampfenden Herzen zog ich mich von ihnen los und lief weiter.

Ich fand auf der obersten Stufe von einer der vielen Treppen ein wenig Ruhe um die Atmosphäre auf mich wirken zu lassen. Ich schaute dem Wasser des Ganges zu wie es in der dunklen Nacht im Strahlen der gelb, orangen Scheinwerfer, sehr ruhig, gelassen, gemächlich und still an mir vorüber zog.

Am Samstag besuchte ich verschiedene Tempel und andere Sehenswürdigkeiten. Gegen vier Uhr checkte ich in einem anderen Hostel ein. Das Mishra hat ein wunderbares Rooftop mit Restaurant, von dort hat man eine unglaubliche Aussicht. Da ich hunger verspürte lief ich die schier unendlichen Stufen hoch bis ich endlich das Dach erreichte. Ich bestellte etwas zu essen und genoss beim warten die atemberaubende Aussicht auf die Promenade und den Ganges. Viele der Gäste waren Asiaten, ich lernte eine Südkoreanische Familie kennen die auf einer Weltreise ist. Der Mann mit dem ich sprach war sehr sympathisch und erzählte mir, dass er und seine Familie die Schweiz auch noch bereisen werden.

Nach dem Essen machte ich mich wieder auf in die Menschenmenge. Bald wurde es dunkel und ich wusste das die Zeremonien an den Ghats kurzum beginne würden. Um halb sieben startete die eindrucksvolle Show. Ich sass mit einem Chai in der Hand auf einer Treppe und schaute den nepalesischen Mönchen, die speziell für die Zeremonie nach Varanasi kommen, gespannt zu. Neben mir setzte sich eine junge Frau. Es stellte sich heraus, dass sie aus Florida kommt und heute gerade in Varanasi angekommen ist. Wir unterhielten uns und teilten einander unsere Eindrücke mit. Als die Zeremonie eine Stunde später zu Ende ging machte ich mich
hungrig auf den Weg zurück ins Hostel.

















  

Donnerstag, 17. Januar 2013

10.1.13



Genug von den Ratten, die werde ich nie ganz los. Wie jeden Tag versammelten wir uns bei der Kantine, um den Tag mit einem Chai zu beginnen. Heute war mein vierter Arbeitstag. Ich habe die AFO- Ankel Foot Orthesis für den Jungen, der am Montag zum Massnehmen da war, zur Anprobe fertiggestellt. Der Junge leidet an einer CP die eine Muskelschwäche auslöst. Mit der Orthese geben wir ihm halt, damit er wieder gehen kann.

 Die Werkstatt ist sehr gut ausgerüstet, die Maschinen sind in einem guten Zustand und die wichtigsten Materialien sind vorhanden. Arbeit ist mehr als genug vorhanden. Viele der Patienten kommen von ausserhalb zu uns. Im Kiran gibt es ein Outreachcamp Team, welches in kleine Dörfer geht um den Menschen dort zu helfen. Bei Bedarf verweisen sie die Leute dann zu uns in die Orthopädie. Da  viele Patienten sehr arm sind, bezahlen sie für die Hilfmittel so viel sie können, der Restbetrag wird vom Kirancenter übernommen welches durch Beiträge aus ganz Europa unterstützt wird.

Das Mittagessen war wieder sehr köstlich. Ich liebe die indische Küche. Es gab wie immer Reis, dazu eine gut gewürzte Sauce,  Tschapati, Gemüse und eine grüne scharfe Chili. Nach der halben Stunde Mittagspause gingen wir zurück an die Arbeit. Leider verstehe ich noch nicht allzuviel Hindi, so ist es teilweise schwierig mit den anderen zu Kommunizieren. Sie sind aber so freundlich und übersetzen die Witze die sie machen ins Englische. Um drei Uhr hatten wir zwanzig Minuten Pause und gönnten uns oben bei dem Stand einen Chai.

Nach der Arbeit ging ich zurück ins Zimmer. In meiner Tasche hatte ich eine Gipsbinde mit der ich die Rattenlöcher endgültig beseitigte. Danach stellte ich meinen bequemen Stuhl aus Bambus auf die Terrasse und las in einem Buch. Die orange, rote Sonne stand tief und schien mir dabei ins Gesicht. Nach einiger Zeit zog es mich hinunter zum Mother Ganga, da ich sowieso einen kleinen Hunger verspürte verliess ich meinen Sonnenplatz.  Auf dem Weg zum Fluss machte ich einen Stopp bei Hirala und gönnte mir einen Snack.  Er arbeitet auch im Kiran und führt nebenbei  mit seiner Frau und seinen drei Kindern einen kleinen Shop.
Er hatte uns gestern zu sich eingeladen und uns köstlich bekocht. Sein Haus ist sehr klein, es besteht nur aus einer Küche, Bad und Wohnzimmer indem zwei Betten stehen. Die Kinder der Familie sind unglaublich aufgestellt und aufgedreht. Sobald sie einen sehen kommen sie und umklammern einen. Ihre Lieblingsbeschäftigung ist es, in der Luft herumgewirbelt zu werden. Nach einigen Minuten muss ich jeweils pausieren, da ich vom ewigen Drehen nicht mehr gerade Stehen kann. Dann fangen sie an zu schreien: „nochmal nochmal“.



Nach dem Snack bei Hirala lief ich weiter Richtung Ganges. Am Fluss angekommen stand die Sonne schon sehr tief und färbte die Umgebung und das Wasser dunkelrot. Ich genoss die wunderschöne Atmosphäre und schaute der Sonne zu wie sie langsam am Horizont verschwand.

Donnerstag, 10. Januar 2013

9.1.13



Um zwei Uhr erwachte ich aus zuerst unbekannten Gründen. Die Kopfhörer hatte ich noch auf dem Kopf da ich vor dem schlafen die neuen Songs von uns anhörte. Währenddessen muss ich eingeschlafen sein. Nach dem Erwachen schaute ich als erstes auf die Uhr.  Es war zwei Uhr morgens. Das passiert mir so gut wie nie, dass ich mitten in der Nacht erwache, also musste es einen Grund dafür geben.

Ein rascheln in der Küche verriet mir, dass ich wieder Besuch hatte. Diesmal entdeckte ich sogar zwei Ratten die gleichzeitig auf der Küchenabdeckung herum lauerten. Als sie mich entdeckten sprangen sie von der Abdeckung runter und liefen zum Kühlschrank unter dem sie sich versteckten. Immer wenn ich mich wieder halb im Schlaf befand hörte ich sie erneut in der Küche hantieren. Da ich am Vortag alle Löcher gestopft hatte, war ich wirklich neugierig wo die Ratten diesmal herkamen. Ich stand also auf, begab mich zum Kühlschrank und fing an daran zu rütteln. Die erste Ratte kletterte am Gitter hoch, sprang auf den Fenstersims,  kletterte dort den Vorhang hinauf, lief auf der langen Ablage ums Zimmer herum bis zu dem Seil mit dem man das Oberfenster öffnen und schliessen kann. Sie hechtete sich zum Seil und kletterte im nu die zwei Meter bis zum Dach hoch. Dann war sie verschwunden.

 Die zweite Ratte die immer noch unter dem Kühlschrank war flüchtete auch über den Vorhang. Sie bog dann aber rechts ab und gelangte zu dem Loch das ich ausgestopft hatte. Sie versuchte energisch das Papier zu durchdringen, als ich immer näherkam gab sie ihr Vorhaben auf und nahm den gleichen Fluchtweg wie die Ratte zuvor.

Für diese Nacht habe ich wieder weitere Vorkehrungen getroffen. Den Türspalt habe ich mit dickem Papier zugeklebt sodass ich nicht jeden Abend die Tücher in den Spalt quetschen muss. Das Seil hängt jetzt lose in der Luft, somit würde die Ratte abstürzen wenn sie versucht daran runter oder hoch zu klettern. Ich bin gespannt was sich diese Nacht tut.  

Mittwoch, 9. Januar 2013

8.1.13


Die Nacht war ein einziger Kampf gegen die Ratten. Ich war gerade am einschlafen als ich ein rascheln auf der Küchenablage hörte. Kurzerhand packte ich meine Taschenlampe und hielt sie Richtung Küche. Da sah ich im Lichtkegel der Lampe eine Ratte, die gemütlich auf der Küchenablage sass und irgendetwas knabberte. Ich musste lachen, die Ratte sah irgendwie lustig aus. Da es sehr kalt war und ich keine Lust hatte den aufgewärmten Schlafsack zu verlassen schwang ich die Taschenlampe hin und her. Die Ratte kam ins Discofieber und machte sich aus dem Staub unter meiner Zimmertür durch, hinaus ins Freie. Jetzt blieb mir nichts anderes  übrig als aufzustehen und den Türspalt  mit Tücher und Schuhen zu verbarrikadieren.

Ich fühlte mich super, da ich der Ratte überlegen war und dachte, dass es doch Vorteilhaft ist ein Mensch zu sein und denken zu können. Triumphierend ging ich zurück ins Bett und glitt in den kalten Schlafsack. Eine gefühlte Stunde später raschelte es erneut.

Fluchend schaute ich der Ratte im Licht meiner Taschenlampe zu. Plötzlich sah ich, dass sie noch einen anderen Ein und Ausgang zu meinem Zimmer hat. Zwischen dem Blechdach und der Wand hat es einen Spalt durch den sie hindurch kann. Ich stand auf und sah, dass meine Peanutbutter-Plastik-Dose ein Loch im Deckel hat. Viele kleine Plastikstücke lagen auf dem Armaturenbrett, die Maus hatte sie aus dem Deckel heraus gebissen.Ich staunte nicht schlecht und hoffte, dass sie trotz anscheinend grossem Hunger mich nicht gleich behandeln werden wie die Plastikdose.

Als nächstes stellte ich die offene Dose auf das oberste Tablar in der Küche. Die Dose stellte ich ganz an den Rand, da ich wusste die Ratte würde sie zu Fall bringen sobald sie wiederkommt. Ich inspizierte auch das Loch im Dach, doch ich war zu müde um mit dem Basteln zu beginnen. Es dauerte lange bis ich einschlief, von der Ratte habe ich nichts mehr gehört.

Am Morgen lag dann die Dose tatsächlich auf der Küchenabdeckung, zu meinem Erstaunen war der Peanutbutter darin aber unberührt. Entweder haben die Ratten vom Aufprall der Dose Angst bekommen oder sie mögen  Peanutbutter nicht.

Ich stopfte dann als erstes das Loch im Dach. Dazu verwendete ich Papier und Klebstreifen.
Nach der aufregenden Nacht gönnte ich mir vor der Arbeit den üblichen Chai. Nun konnte der Tag beginnen.

7.1.13



Ich ass gerade ein Marmeladenbrot und trank dazu Schwarztee, als Alessandro an der Tür klopfte. Er hatte ein Pancake auf einem Tableau vor sich. Der Pancake schmeckte sehr gut. Nach dem Frühstück machte ich mich auf zum Orthopädiecenter.  Die Werkstatt wurde mir gezeigt und ich konnte meinen Arbeitsplatz einrichten. Daraufhin trafen wir uns alle in der grossen Halle um miteinander zu singen und die neusten Infos wurden durchgegeben. Samuel und ich wurden vorgestellt und fotografiert. Zur Begrüssung überreichten sie uns einen Blumenstrauss. Daraufhin führte Alessandro mich und Samuel durch das ganze Kirancenter und stellte uns die verschiedenen Departemente vor.

In einem Raum stellte uns eine Frau vor, wie sie Saucen und andere Sachen länger haltbar macht. Sie liess uns aus einem Eintopf probieren. Der Topf bestand fast nur aus superscharfem Chili. Ich lief hoch rot an, hatte das Gefühl der Kopf sei kurz vor dem zerbersten, die Tränen liefen runter. Wir schauten uns an und mussten nur noch lachen. Der Morgenkaffee wäre im Vergleich nichts gewesen.

Als wir zu der Schreinerabteilung kamen, hatten sich die Chili Symptome gelegt. Ein Schreiner zeigte uns alle Holzarbeiten die sie im Kiran herstellen. Dabei hat es unzählige sogenannte Kniffelspiele. Der Mann gab uns einige in die Hände damit wir unser Glück versuchten konnten. Am Schluss kam ich mir recht dumm vor, als er in kürzester Zeit die Kniffe löste.

Nach dem Essen in der Kantine liefen wir den schmalen Weg hinauf zum Eingang des Kirancenters. Auf dem Weg gibt es an der rechten Seite ein Stand bei dem es Chai, Kaffe und Süssigkeiten gibt. Alessandro, Samuel und ich bestellten einen Chai und setzten uns auf die Steinbank. Zusammen genossen wir den köstlichen Tee.